Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)

Die vorzeitige Ejakulation ist eine, durch den Verlust einer willentlichen Ejakulationskontrolle gekennzeichnete, häufige sexuelle Dysfunktion bei Männern verbunden mit erheblichen negativen Auswirkungen sowohl auf die Psyche und das Sexualleben der Betroffenen als auch auf deren Partnerschaft.

Die Diagnose wird gestellt, wenn der betroffene Mann angibt, dass er die Ejakulation nicht kontrollieren kann, sie innerhalb von weniger als 2 Minuten nach Begin der sexuellen Stimulation eintritt und ein Leidensdruck bei dem Betroffenen besteht. Die durchschnittliche normale Zeit bis zum Erreichen des Samenergusses beträgt weltweit 5.4 min.

Etwa 20-40% aller deutschen Männer sind zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens von einer vorzeitigen Ejakulation betroffen. Diese Zahl ist in allen Ländern in etwa identisch und nicht altersabhängig.

Lebensqualität, Sexualität und Partnerbeziehungen des Mannes können durch eine vorzeitige Ejakulation erheblich beeinträchtigt sein und mit Scham- und Schuldgefühlen, reduzierter Selbstachtung, Angst, Depression und mangelndem Selbstvertrauen assoziiert sein. Auch die Partnerin leidet unter der vorzeitigen Ejakulation des Mannes, so nimmt bei Frauen, deren Partner von einer vorzeitigen Ejakulation betroffen sind, die sexuelle Zufriedenheit ab, Orgasmus-, Lubrikations- und Libidorstörungen treten auf, auch zwischenmenschliche Schwierigkeiten nehmen zu. Trotz der vielen Betroffenen und dem damit verbundenen Leidensdruck ist die vorzeitige Ejakulation ein unterdiagnostiziertes und unterversorgtes Leiden. Aufrgund von Scham und mangelnder Kenntnis über die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen werden sexuelle Probleme lediglich von ungefähr 9% der Betroffenen beim Arzt angesprochen.

Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Neurotransmitter Serotonin, welcher überwiegend hemmende Impulse in der zentralen Steuerung der Ejakulation vermittelt, eine entscheidende Rolle in der Entstehung der vorzeitigen Ejakulation spielt. Das bedeutet dass vermutlich keine ausreichende Hemmung der Ejakulation vorliegt. Neben zahlreichen Verhaltenstherapien und der lokalen Betäubung der Eichel ist seit 2010 das erste Medikament (Priligy®) für die Bedarfsbehandlung der vorzeitigen Ejakulation zugelassen und wurde an mehr als 6000 Männern untersucht.

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